Was ist Bonding-Psychotherapie?

In den 60er und 70er Jahren entwickelte Dr. Dan Casriel den New Identity Process, kurz NIP genannt. Er und seine Arbeit wurde in Deutschland durch die Zusammenarbeit mit Dr. med. Walther Lechler, Chefarzt der psychosomatischen Klinik in Bad Herrenalb, bekannt und der NIP später in Bonding-Psychotherapie umbenannt.

Der gruppentherapeutische Rahmen der Bonding-Psychotherapie soll den Teilnehmern mehr Beziehungs- und Konfliktfähigkeit sowie die Stärkung des Selbstwerts ermöglichen. Bei dieser ganzheitlichen Arbeit wird das tiefliegende menschliche Bedürfnis nach Nähe und Verbundenheit in den Mittelpunkt gestellt. Der Begriff Bonding, der ursprünglich aus der Säuglingsforschung übernommen wurde, ist dabei in einem weiten und umfassenden Sinn zu verstehen. So bedeutet Bonding neben Nähe und Vertrauen auch Liebe, Geborgenheit und Gemeinschaft.

Während einer Bonding-Sitzung werden nicht mehr angemessene Einstellungen zu sich und anderen bewusst gemacht und verändert. Dabei hilft die vertrauensvolle Umgebung der Gruppe, einen offenen und ehrlichen Austausch zu gestalten, Vermeidungsstrategien zu erkennen und neue Verhaltensweisen zu erlernen. Das Erfahren von körperlicher Nähe und Geborgenheit spielt dabei eine zentrale Rolle und macht diese Arbeit zu einem konkret erlebbaren und erfühlbaren Erlebnis, welches tief in alle Zellen des Körpers eindringt und dort alte, hinderliche Lebensmuster auflöst. So fördert Bonding die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, indem der Zugang zu tiefen Gefühlen geschaffen wird.

Die Bonding-Psychotherapie eignet sich besonders für Menschen, die einen besseren Zugang zu ihrer Gefühlswelt erleben möchten und bereits eine Psychotherapie machen oder gemacht haben oder über Grundlagen in Bonding-Psychotherapie oder therapeutischer Selbsterfahrung verfügen.

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Wie wirkt Bonding-Psychotherapie?

Bonding erfüllt die tiefe Sehnsucht des Menschen nach Sicherheit und Geborgenheit sowie nach Selbstbestimmung, stabilem Selbstwert und emotionalem Ausdruck. Tief verwurzelte Ängste bedingen oft lebenslang, die unbewussten und prägenden Grundmuster. Diese Einstellungen wie „Ich bin nicht gut genug“, „Ich darf keine Umstände machen“, „Ich muss etwas leisten, um Liebe und Anerkennung zu bekommen“ oder „Ich bin sowieso nicht willkommen“ werden in selbstbewusste, erwachsene Einstellungen verwandelt. Bonding-Psychotherapie bietet einen Selbsterfahrungsprozess, in dem das innere Kind nachreift und das Erwachsenen-Ich gestärkt wird, um sich selbst zu behaupten. Zum Beispiel:

  • Ich bin gut genug!
  • Ich brauche und ich nehme mir!
  • Ich bin liebenswert, so wie ich bin!
  • Ich bin hier willkommen und du bist hier willkommen!

Einstellungsarbeit

In der Einstellungsarbeit der Bonding-Psychotherapie helfen Einstellungssätze, die eigene Position zu fundieren. Diese „Wahrheiten“ dringen immer tiefer ins Bewusstsein ein und werden zu Ausdrucksweisen eines neuen Lebensgefühls. Hier noch weitere Beispiele:

  • Ich bin da und ich bleibe da!
  • Ich darf Fehler machen!
  • Ich bin dir nah und ich bleibe mir treu!
  • Ich bin ich, ob es dir passt oder nicht!
  • Ich bin ein starker, erwachsener Mensch und ich habe Angst!
  • Ich gehe meinen Weg!
  • weitere Einstellungssätze finden Sie hier

Mattenarbeit

Die erste Hürde, die es zu überwinden gilt ist es, Menschen körperlich nah und emotional offen zu sein. Erst im Gehaltenwerden und im So-sein-dürfen-wie-man-ist, werden innere Blockaden allmählich aufgelöst. In der Bonding-Psychotherapie wird man bei der Mattenarbeit von einer Begleitperson umarmt, gehalten und geschützt. Jetzt dürfen seelische Schmerzen, Ängste und Wut, die sich seit früher Kindheit angestaut haben, laut und leise zum Ausdruck kommen. In diesem Auflösungsprozess werden durch korrigierende Erfahrungen neue Grundeinstellungen gewonnen. Zunehmend stabilisiert sich eine liebevolle Haltung sich selbst und anderen gegenüber.