Einstellungsarbeit

Auszüge aus dem Buch von
Dr. Godehard Stadtmüller „Einstellung und Schicksal“
erschienen im Santiago Verlag

Was ist eine Einstellung? Eine Einstellung ist eine Haltung = ein das Leben bestimmender Satz, der mit einem starken Gefühl verbunden ist.

Die Einstellung ist aber meist nicht oder nur halb bewusst. Bei den meisten besteht die Meinung: So, wie die Einstellung vorgibt, ist eben die Welt. So, wie ich sie sehe, ist die Welt objektiv. – Die meisten Menschen sehen nicht ein (mit ihrem Verstand) und haben nicht erfahren (in ihrer Existenz), dass sie mit ihren Einstellungen ihr Erlebnis der Welt inklusive der eigenen Person selbst herstellen. Einstellungen in diesem Sinn sind äußerst festgefügt. Versuche zu rütteln an einer solchen Überzeugung und du wirst merken, wie stark der Widerstand ist.

Eine konstruktive Einstellung ist entsprechend ein positiver Satz, der mit einem starken Gefühl verbunden ist, und zwar egal, mit welchem Gefühl. Als Beispiel: „Ich bin gut, so wie ich bin – und es reicht!“

Wenn eine neue Einstellung verankert werden soll, bedarf es dazu ebenso eines starken Drucks in Form eines starken Gefühls. Das ist der Grund, warum in der Einstellungsarbeit starke Gefühle auftreten.

Einstellungen entwickeln wir wahrscheinlich, damit wir die Eindrücke ordnen können und die Welt für uns verständlicher und sicherer wird, und wir in der Welt einen Maßstab für unser Handeln haben. Wir müssen dann nicht ständig über alles neu nachdenken. Das ist der große Vorteil davon, dass Menschen Einstellungen (Grundüberzeugungen) entwickeln. Das meiste Verhalten ist aber gelernt. So sind auch Einstellungen erworben, d.h. gelernt. Meist aber werden Grundeinstellungen so früh erworben, dass sich der Mensch später nicht erinnern kann, wie er seine Einstellung erworben hat und dass er sie überhaupt erworben hat.

Entscheidend ist, eine neue Einstellung zu entwickeln, im Denken und im Gemüt zu verankern und die neue Einstellung zu üben, so dass die neue konstruktive Einstellung das Leben bestimmen und leiten kann. Die neue Einstellung wird auf solche Weise immer stärker, während die alte abnimmt.

Die Folgen von Einstellungen im Sinne von Grundüberzeugungen für einen Menschen sind kaum zu überschätzen. Die Einstellung bestimmt unsere Wahrnehmung. Unsere Wahrnehmung bestimmt unsere Erkenntnis. (Unsere Wahrnehmung resultiert aus unserem Urteil. Einstellungen haben den Charakter von urteilenden Sätzen.) Unsere Einstellung bestimmt unsere Bewertung. Unsere Bewertung bestimmt unser Gefühl. Unsere Gefühle und innere Wahrnehmung bestimmen unser Handeln (d.h. auch, wie wir mit anderen Menschen umgehen). Unser Handeln bestimmt unser Leben. Unser Leben von Stunde zu Stunde bestimmt zu einem großen Teil unser Schicksal.

Deshalb:
Wenn Du Dein Schicksal ändern willst, musst Du/kannst Du Dein Handeln ändern.
Wenn Du Dein Handeln ändern willst, musst Du/kannst Du Deine Wahrnehmung ändern.
Wenn Du Deine Wahrnehmung ändern willst, musst Du/kannst Du Deine Einstellung ändern.

Die Folgen von Einstellungen sind erst einmal umso stärker, je weniger die Einstellung bewusst ist. Wenn jemand meint, er habe keine solche Einstellung, er lasse die Dinge so auf sich wirken, wie die Dinge eben objektiv sind, dann ist er wohl noch ein Stück von der Erkenntnis entfernt. Er weiß nicht, dass er eine Einstellung hat und dass sie sein Leben bestimmt. Und wer das gar nicht weiß, der kann sehr schwer etwas verändern. Also, der erste Schritt ist wirklich die Erkenntnis: die Folge der Einstellung ist die Form, wie uns die Welt erscheint.

Warum Einstellungsänderung? Nicht, weil die alte Einstellung im Prinzip schlecht oder böse war. Vielmehr ist, wie oben aufgeführt, festzuhalten, dass die alte Einstellung früher einmal sinnvoll war zum Überleben. Für diese Überlebensleistung gebührt dem kindlichen Anteil in uns (dem „Inneren Kind“) Dank und Wertschätzung. Eine Einstellungsänderung ist sinnvoll, oft notwendig, weil die alte, früher überlebenssichernde Einstellung zu einem späteren Zeitpunkt zu destruktiv auf das Leben wirkt. Die positive Nachricht ist: Wir können Einstellungen verändern. Spätestens als Erwachsene ist es uns möglich, destruktive Grundüberzeugungen durch konstruktive zu ersetzen. Das ist möglich, indem man eine erkannte destruktive Einstellung durch eine gegenläufige konstruktive ersetzt. Wie aber kann das geschehen, da Einstellungen so tief verankerte Grundüberzeugungen sind? Wie ist es also möglich, sie zu verändern? Es ist möglich durch eine existenzielle Erfahrung. Eine existenzielle Erfahrung bezieht gleichermaßen Denken, Gefühl, Leibwahrnehmungen und zwischenmenschliche Beziehung mit ein. Wie aber soll eine solche korrigierende Erfahrung möglich sein, wenn eben die Einstellung unsere Wahrnehmung von der Welt und von uns bedingt und wir deshalb in aller Regel genau die Erfahrungen machen, die unserer Einstellung entsprechen? Es ist möglich erstens durch Einstellungsarbeit; zweitens durch eine tiefe zwischenmenschliche Erfahrung, die nachhaltig das alte Muster korrigierend durchbricht.

Einstellungssätze

Ich bin wertvoll so wie ich bin!

Ich bin ein starker erwachsener Mann/eine starke erwachsene Frau – und ich habe Angst!

Ich sage NEIN wenn ich will!

Ich bin gut genug!

Ich sorge für mich – und du sorgst für dich!

Ich bin richtig so wie ich bin!

Nur ich weiß was ich will und was ich brauche!

Ich brauche auch!

Ich darf voller Freude sein!

Ich liebe mich!

Ich gehe meinen Weg!

Das ist mein Leben!

Ich bin willkommen!

Ich bin (Name) … und das reicht!

Ich bin da – und ich bleibe da!

Ich bin liebenswert so wie ich bin!

Ich bin stinknormal liebenswert!

Ich bin dir nah – und ich bleib mir treu!

Mir darf´s gut gehen!

Mit mir nie wieder!

Ich bin genauso wichtig!