Eigene Artikel

Die 3 Zeitströmungen in der Bonding Arbeit von Odette Lassonczyk

Bei der Arbeit auf der Matte nutzen wir 3 Zeitströme, die immer wieder ins Bewusstsein geholt werden. Wir benutzen verschiedene Einstellungssätze um die inneren Prozesse in Worte zu fassen und konzentriert bei dem auftauchenden Thema zu bleiben.

1. Vergangenheit

Hier machen wir eine intensive Trauerarbeit indem wir Einstellungssätze benutzen wie „Mama, ich hätte dich anders gebraucht“, „es war schlimm“, „es hat weh getan“. Indem wir die sprachliche Form der Vergangenheit benutzen ist eine zeitliche Distanz vorhanden, die verhindert, dass eine Identifikation mit dem damaligen Geschehen entsteht. Durch diese Formulierungen und das Erleben des Körperkontaktes kommt es zu einer starken Aktivierung von Gefühlen. Diese Gefühle werden ohne zu dramatisieren ausgedrückt und ermöglichen ein „Verschmerzen“ der erlebten psychischen und körperlichen Verletzungen.

Gleichzeitig erleben wir ein liebevolles Gehaltensein unserer Begleitperson, die einfach da ist und uns so annimmt wie wir sind. Diese Ebene wird während des ganzen Bonding Prozesses aufrechterhalten.

2. Gegenwart

In dieser Phase machen wir uns bewusst: „es ist vorbei“. Dies hilft das erfahrene Leid und Defizit einzuordnen und abzuschließen. Dan Siegel sagt, „ein integriertes Gehirn ist ein glückliches Gehirn“.

3. Zukunft

Nun geht es darum, die neue Einstellung, Haltung und das neue Verhalten zu berechtigen und zu üben. „mit mir nie wieder“, „jetzt hole ich mir was ich brauche wo anders“.

Die intensive Gefühlsarbeit hilft, neue neuronale Verschaltungen herzustellen: „neurons that fire together, wire together“ (Neuronale Verbindungen, die zusammen feuern, verbinden sich).

Diese Phasen laufen nicht linear ab, sondern eher in Zyklen und Wellen. Manchmal braucht die Trauerarbeit viel Zeit und Aufmerksamkeit und die Berechtigungsarbeit dient dazu, sich dies auch immer wieder zu erlauben.

Da drei Ebenen der Existenz angesprochen werden, des Stammhirns auf der körperliche ebene, des limbischen Systems auf der emotionalen Ebene und des Neokortex durch die Einstellungen, haben wir ein ganzheitliches System, um nachhaltige Veränderungen zu verankern.

 

Bonding PT nach Dan Casriel und gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg

Gemeinsamkeiten

In der Bonding PT geht es darum, mit echten Gefühlen in Kontakt zu kommen, Bedürfnisse wahrzunehmen und gut für sich zu sorgen. Die GfK ermutigt die Menschen in ihrer Kommunikation Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken und genau zu unterscheiden, welche primären Bedürfnisse tatsächlich vorhanden und was vermeintliche Strategien sind, um diese Bedürfnisse zu befriedigen.

Unterschiede

In der Bonding PT werden intensive emotionale Prozesse in Gang gesetzt, um Zugang zu nicht verarbeiteten Gefühlen, zu ungünstigen Strategien und Einstellungen ins Bewusstsein zu bringen. Ein wesentlicher Teil in der Bonding PT ist die Trauerarbeit, um die Beziehungen, Prozesse und Ereignisse zu heilen (bzw. zu verschmerzen), bei denen in der Kindheit und in der Vergangenheit  Zuwendung und Mitgefühl gefehlt hat.

Die GfK ist eine alltagstaugliche Haltung und Methode, um gut für sich zu sorgen und die Bedürfnisse anderer Menschen im Blick zu haben.

Synergien

Im Grunde können sich diese beiden Methoden vorzüglich ergänzen. Denn viele Menschen haben es schwer ihre Gefühle zu spüren, auszudrücken und eben auch zu formulieren. Hier kann die Bonding PT durch den Kontext von Nähe und Angenommen sein und durch das körperliche Erleben hilfreich dabei sein, in Kontakt mit dem Wesenskern zu kommen.

Beim Umsetzen im Alltag ist die GfK sehr hilfreich, denn sie ermöglicht, die Erkenntnisse und Erfahrungen im Bonding in den Alltag zu integrieren. Indem wir üben, genau zu beobachten, unsere Gefühle zu spüren und als Qualität in die Kommunikation einfließen zu lassen und dadurch unsere Bedürfnisse für uns selbst und für andere klar auszudrücken, wird Kommunikation aufrichtig und erfüllend.